Schädelasymmetrie / -Deformitäten bei Säuglingen

Seit den 90iger Jahren wurde festgestellt, dass der plötzliche Kindstod in Rückenlage wesentlich seltener auftritt als in anderen Positionen. Die eigentliche Ursache hierfür ist aber weiterhin nicht vollständig geklärt. Seitdem wird empfohlen, junge Säuglinge ausschließlich auf dem Rücken schlafen zu lassen. Parallel hierzu hat sich das Auftreten von lagebedingten Schädeldeformitäten deutlich erhöht. Diese Lagerungsempfehlung gilt jedoch ausschließlich für das schlafende Kind! Denn nur wenn das Baby schläft kann der plötzliche Kindstod eintreten. In Wachphasen darf und sollte der Säugling von Beginn an in allen Positionen wie Seitlage, Bauchlage und Rückenlage liegen. Ausschließlich zum Schlafen sollte das Baby immer in Rückenlage gelagert werden. 

Einige Babys entwickeln bei vorwiegender Rückenlagerung eine Schädeldeformität, entweder symmetrisch als „Flachkopf“ (Brachyzephalus) oder bei einseitiger Vorzugshaltung, auch Lageasymmetrie genannt,  einen „Schiefkopf“ (Plagiozephalus). Der Schiefkopf ist medizinisch bedeutender, da er auch die Schädelbasis oder den Gesichtsschädel betreffen kann. 

Ursachen für die Vorzugshaltung wiederum können z.B. Funktionsstörungen, „Blockierungen“ der Wirbelsäule (z. B. KISS-Syndrom) oder andere sensomotorische Bewegungsauffälligkeiten sein. Ist die Schädeldeformität sehr ausgeprägt, kann sie selber umgekehrt aufgrund der asymmetrischen Gewohnheitshaltung sekundär zu Funktionsstörungen führen.

Seit vielen Jahren behandele ich Säuglinge mit Schädeldeformitäten. In meiner Sprechstunde erfolgt zunächst eine Beurteilung der Schädelform. Je nach Ausprägung der Asymmetrie wird der Kopf nach einer standardisierten Methode (n. Loveday) vermessen. 

Unter der auch existierenden Annahme, dass ein gesunder Säugling nicht allein aufgrund der Rückenlage-Empfehlung einen Schiefkopf entwickelt, muss Ihr Baby auf der Suche nach möglichen anderen „Störfaktoren“ sorgfältig untersucht werden. Deshalb gehört zum Konzept der Behandlung von Babys mit Schädelasymmetrien weiterhin eine Untersuchung der Bewegungsqualitäten, des sensomotorischen Entwicklungsstandes, eine orientierende neurologische sowie eine manualmedizinische Untersuchung um ggf. Funktionsstörungen der Wirbelsäule, als mögliche Ursache oder auch Folge der Schädeldeformität zu behandeln. In der Beurteilung der Schädelasymmetrie ist eine Unterscheidung zu möglichen aber sehr selten auftretenden verfrühten Schädelnahtverwachsungen (Kraniosynostosen) wichtig, die grundsätzlich ein komplett anderes Behandlungsprocedere erfordern. 

Insgesamt hängt der Behandlungserfolg der Schädelasymmetrie sehr vom Zeitpunkt der Diagnosenstellung ab. Je jünger das Baby ist, desto besser können Sie als Eltern mit gezielten Lagerungen, Handling im Alltag und kleinen Übungen maßgeblich zu einer positiven Entwicklung beitragen. Hierfür bekommen Sie gezielte Anleitungen. Führt dies nicht zu ausreichender Symmetrisierung erfolgt ein interdisziplinäres Konzept mit Physiotherapie, manualmedizinisch/osteopathischer Behandlung und weiter Handling-, Lagerungsempfehlungen für zu Hause. Der Säugling mit Schädelasymmetrie sollte mit ca. 4 Wo. vorgestellt werden. Bis zum 6. Lebensmonat hat man dann Zeit o.g. Maßnahmen durchzuführen. In ca. 4 bis 6wöchigem Abstand erfolgen Kontrollmessungen der Kopfform. Nur in seltenen Fällen muss ab dem ca. 6. Lebensmonat eine Helmtherapie in Erwägung gezogen werden. Hierzu arbeite ich mit der Helmsprechstunde des Kinderzentrums Oldenburg und der Helmsprechstunde im Anna Stift, Neuroorthopädie in Hannover zusammen.